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Was Sie über Schutzmasken wissen müssen

Quelle:https://www.tagesschau.de/faktenfinder/hintergrund/masken-faq-101.html

Stand: 17.04.2020 05:06 Uhr

Es gibt noch keine Maskenpflicht, aber die „dringende Empfehlung“, in bestimmten Bereichen „Alltagsmasken“ zu tragen. Was bedeutet das? Wo sollen sie getragen werden? Wo bekommt man sie? Ein Überblick.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

In welchen Situationen ist es ratsam, Maske zu tragen?

Es wird empfohlen, im öffentlichen Leben Alltagsmasken zu tragen – vor allem beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn. Wenn ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten werden kann oder wenn es, etwa an der Supermarktkasse, alternativen Schutz gibt – beispielsweise durch Trennwände -, dann ist es nicht nötig, Masken zu tragen.

Gibt es bundesweit einheitliche Empfehlungen?

Eine bundesweit einheitliche Empfehlung gibt es nicht. „Es liegt jetzt an den Bundesländern, Verordnungen zu erlassen“, erklärt Susanne Wackers, Referentin im Bundesgesundheitsministerium, gegenüber tagesschau.de. Es ist möglich, dass es je nach Bundesland unterschiedlich strenge Auflagen geben wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte bereits an, dass es zu Verschärfungen kommen kann, falls die „dringende Empfehlung“ von der Bevölkerung nicht umgesetzt werde. Dann erwäge die Staatsregierung auch eine Maskenpflicht, sagte Söder.

Ist es erlaubt, ohne Schutzmaske einzukaufen oder ÖPNV zu fahren?

Ja, denn es ist bundesweit nicht vorgeschrieben, Schutzmasken zu tragen, es wird lediglich „dringend empfohlen“. Im Öffentlichen Personennahverkehr werde es auch keine Kontrollen geben, erklärt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Es ist jedoch möglich, dass einzelne Verkehrsbetriebe den Zugang, etwa zu U-Bahnhöfen, auf eine bestimmte Anzahl von Menschen begrenzen, um Ansammlungen zu vermeiden. Ähnlich verfahren bereits viele Supermärkte.

Wo gibt es bereits eine Maskenpflicht?

Bislang haben nur sehr wenige Kommunen eine Maskenpflicht erlassen. Bundesweiter Vorreiter war die thüringische Stadt Jena. Dort muss mittlerweile auch am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen, in denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Zuvor galt die Pflicht bereits in Arztpraxen, öffentlichen Gebäuden und in Bussen, Straßenbahnen und Taxis. Seit Dienstag gilt auch im thüringischen Kreis Nordhausen eine Maskenpflicht. Die hessische Stadt Hanau hat für kommende Woche eine Maskenpflicht angeordnet.

Selbst genähte Mundschutzmasken reichen aus, um der Empfehlung von Bund und Ländern nachzukommen.

Welche Schutzmasken sind ausreichend?

Für die Empfehlung von Bund und Ländern reichen alle Masken, die Mund und Nase bedecken. Auch einfach Mundschutze, selbst genähte Stoffmasken oder Schals sind ausreichend. Zertifizierte Masken sind nicht nötig – selbst einfache Mund-Nasen-Schutzmasken, auch OP-Masken genannt, müssen es nicht sein. Atemschutzmasken, sogenannte „Filtering Facepieces“ (abgekürzt FFP) sollen dem Personal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen vorbehalten bleiben.

Wo gibt es Schutzmasken zu kaufen?

Mund-Nasen-Schutzmasken sind etwa in Apotheken oder im Sanitärhandel erhältlich, allerdings wegen der hohen Nachfrage aktuell häufig ausverkauft. Etliche Schneidereien bieten selbstgenähte Masken an. Online werden inzwischen auch wiederverwendbare „Nase-Mund-Masken“ aus Plastik verkauft, bei denen auch handelsübliches Papiertaschentücher als Filter eingelegt werden können.

Die von Playmobil hergestellten Schutzmasken sind nicht zertifiziert, können jedoch mit handelsüblichen Papiertaschentüchern als Filter wiederverwendet werden.

Welchen Schutz bieten die Masken?

Wer einen Mund-Nasen-Schutz trägt, verringert nach Einschätzung der meisten Experten die Infektionsgefahr für andere Menschen, weil dadurch im gewissen Umfang Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten aufgefangen werden. Vor einer Ansteckung des Trägers mit dem Coronavirus schützen die einfachen Masken aber nicht. Doch es gibt auch nützliche Nebeneffekte. So könnte das Tragen von Masken dafür sorgen, dass Menschen mehr Distanz zueinander hielten.

Mundschutz-Masken werden zum Beispiel beim Bekleidungshersteller Trigema in einem Produktionssaal hergestellt.

Welche Firmen stellen Masken her?

Etliche Firmen haben in der Corona-Krise umgestellt. Der Autobauer BMW hat drei Maschinen gekauft und produziert aktuell täglich 300.000 Masken. „Die sind zunächst für unseren eigenen Bedarf“, sagte ein Sprecherin gegenüber tagesschau.de. Sobald der gedeckt sei, wolle man auch für Institutionen der öffentlichen Hand Masken herstellen. In den vergangenen Wochen spendete das Unternehmen der bayerischen Landesregierung und dem THW bereits 150.000 Masken.

Auch der Automobilzulieferer Zettl, der sonst Sitzbezüge herstellt, produziert OP-Masken. Der Filterhersteller Mahle und der Unterwäschehersteller Triumph haben sich für die Herstellung von FFP3-Masken zusammengetan. Mahle liefert den Filter, der Viren abfängt, Triumph produziert die Masken. Der Bekleidungshersteller Trigema liefert inzwischen ebenfalls Schutzmasken aus.

Mundschutz-Masken werden beim Bekleidungshersteller Trigema in einem Produktionssaal hergestellt. | Bildquelle: dpa

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Welche Masken bieten welchen Schutz?

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Wo liegt der Unterschied zu FFP-Masken?

Masken mit der höheren Schutzstufe FFP-2 eignen sich zum Beispiel für pflegerische Tätigkeiten oder andere Situationen, in denen Menschen engen Kontakt zu Influenza- oder Covid-19-Verdachtsfällen haben. FFP-3-Masken haben die höchste Schutzstufe und können auch vor krebserregenden oder radioaktiven Partikeln schützen. Weil der Filter sehr dicht ist, fällt das Atmen mit der Maske schwer. Sie kann darum nur für kurze Zeit getragen werden.

FFP3-Masken haben die höchste Schutzstufe. Sie können nur für kurze Zeit getragen werden, da das Atmen mit der Maske schwer fällt.

Was muss beim Tragen der Maske beachtet werden?

Wichtig ist, wie die Maske getragen wird. Der Stoff muss Mund und Nase bedecken. Beim An- und Ausziehen sollte darauf geachtet werden, dass das Sekret – also die aufgefangenen Tröpfchen – nicht über die Hände verteilt wird.

Kann ich selbst hergestellte Masken öfter tragen?

Ja, das sei problemlos möglich, sagt Bernd Salzberger, Infektiologe am Universitätsklinikum Regensburg. Um die Maske zu reinigen, reiche es aus, sie bei 60 Grad zu waschen oder sie zu bügeln. Nach Empfehlungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sollte der Stoff möglichst eng gewebt sein.

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Wo gibt es Hilfe beim Basteln eigener Masken?

Verschiedene Anleitungen zur Herstellung eines Mund-Nasen-Schutzes aus Stoff gibt es beispielsweise auf „maskmaker.de“ – ein Projekt, das kürzlich im Rahmen eines so genannten Hackathons entstanden ist. Bei der von der Bundesregierung mitinitiierten Aktion hatten Freiwillige 48 Stunden lang Zeit, Lösungsansätze zur Bewältigung der Corona-Krise zu entwickeln. Über die Homepage können selbst genähte Masken auch an Pflegeeinrichtungen gespendet werden. Für Hobby-Näher gibt es außerdem auf YouTube zahlreiche Tutorials.

Wird es demnächst eine Maskenpflicht geben?

Aktuell sind nach Einschätzung von Experten für eine Pflicht herkömmliche Masken schlichtweg zu knapp. Allerdings schließt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nicht aus, dass es künftig in Zügen eine Maskenpflicht geben wird. „Natürlich ist diese Pflicht ein Thema, wenn wir wieder höher fahren“, sagte der CSU-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Es gehe jetzt zunächst darum, die Beschaffung von Masken sicherzustellen.

Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister, zu Corona-Schutzmaßnahmen in der Logistik
morgenmagazin, 16.04.2020

Noch ein Punkt spricht gegen eine Maskenpflicht. Eine solche Maßnahme würde auch Kontrollen und Bußgelder nach sich ziehen. Das ist nach Einschätzung des Verkehrsclubs Deutschland derzeit kaum umzusetzen.

Warum ist die Beschaffung von Schutzmasken so schwierig?

Der Markt ist angesichts der weltweiten Coronavirus-Krise sehr umkämpft – alle wollen gerade die gleichen wichtigen Materialien. Die Preise sind in den vergangenen Wochen deutlich angestiegen. Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte kürzlich, dass Masken vor der Krise zwischen sechs und 17 Cent das Stück gekostet hätten – nun wären sie mehrere Euro teuer.

Wie sorgt die Bundesregierung für Masken-Nachschub?

Das Bundesgesundheitsministerium ist mit verschiedenen deutschen Unternehmen wie Trigema und Eterna in Gesprächen, um Anreize zu schaffen, die nationale Produktion von Schutzausrüstung zu steigern. Zudem nutzt die Regierung die Einkaufs- und Lieferketten von Unternehmen wie Lufthansa, VW, Daimler, BASF und Otto, um auf dem internationalen Markt Masken zu kaufen. „Die Unternehmen kaufen in Abstimmung und in unserem Auftrag, das Ministerium gibt die Käufe frei“, erklärte das Gesundheitsministerium gegenüber tagesschau.de.

In den vergangenen zweieinhalb Wochen habe man so rund 80 Millionen Schutzmasken kaufen können. Kritiker bemängeln, die Regierung habe diesen Schritt zu spät gemacht und so wertvolle Zeit verloren. Stattdessen habe man den Maskenkauf zu lange in die Hände des Beschaffungsamts vom Bundesverteidigungsministerium gelegt.

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